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Ein Auto zum Schnäppchenpreis bei eBay

27.11.2014
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Gebrauchtwagen ebay Schnäppchen

Der Bundesgerichtshof musste sich mit einem echten Schnäppchen bei einer eBay-Auktion befassen. Dabei galt es zu klären, ob bei einem Kaufpreis von einem Euro für einen Gebrauchtwagen ein grobes Missverhältnis zwischen Preis und Wert des Kaufobjekts vorliegt und der Kauf somit als nichtig anzusehen ist.

Der Beklagte hatte um seinen Gebrauchtwagen zu verkaufen eine eBay-Auktion mit einem Startpreis von einem Euro erstellt. Gleich zu Beginn der Auktion hatte der Kläger ein Maximalgebot in Höhe von 555,55 Euro abgegeben und war daraufhin auf Grund des automatischen Bietersystems von eBay mit einem Euro der Höchstbietende. Einige Stunden später brach der Beklagte die Auktion jedoch ab, da er außerhalb von eBay einen Interessenten gefunden hatte, der bereit war 4200 Euro für das Fahrzeug zu zahlen. Dies teilte er auch dem Kläger per E-Mail mit. Dieser gab sich damit aber nicht zufrieden und bestand auf die Erfüllung des durch sein Gebot geschlossenen Kaufvertrags. Da der Fahrzeugbesitzer nicht bereit war das Auto dem Bieter für nur einen Euro zu überlassen kam es zur Klage. Das Landgericht Mühlhausen spracht dem Kläger einen Schadenersatz wegen Nichterfüllung des wirksamen Vertrags in Höhe von 5.249 Euro zu. Dieser Betrag entsprach dem Wert des Fahrzeugs zum Zeitpunkt der Auktion. Mit einer Berufung vor dem OLG Jena scheiterte der Verkäufer des Gebrauchtwagens.

Nun befasste sich der zuständige VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs mit der Revision des Falls. Das Gericht folgte den Entscheidungen der vorherigen Instanzen und sah den Kaufvertrag nicht wegen Sittenwidrigkeit als nichtig an. Bei einer Internetauktion impliziere das bestehende Missverhältnis zwischen dem Kaufpreis und dem Wert der Kaufsache nicht eine verwerfliche Absicht des Bieters. Vielmehr mache die Möglichkeit ein Schnäppchen bei einer solchen Auktion zu erzielen den Reiz aus. Der Verkäufer hätte ebenso die Chance einen für ihn vorteilhaften Preis im Wege des Überbietens zu erzielen.

Außerdem sei es die freie Entscheidung des Beklagten gewesen den PKW für einen Startpreis von einem Euro einzustellen. Ihm hätte das Risiko bewusst sein müssen, dass das Fahrzeug im für ihn schlechtesten Fall für genau diesen Preis verkauft werden könnte. Durch seinen ungerechtfertigten Abbruch der Auktion habe er zudem selbst dafür gesorgt, dass keine weiteren Gebote abgegeben werden konnten um so einen höheren Kaufpreis zu erzielen.

Bei der Verwendung von Auktionsportalen wie eBay sollten Verkäufer also darauf achten einen für sie akzeptablen Startpreis festzusetzen um nicht Gefahr zu laufen das angebotene Produkt deutlich unter Wert zu verkaufen. Die neuerliche Entscheidung des BGH ist nicht das erste Urteil, das im Sinne der Käufer ergeht. Schnäppchenjäger können also auch weiterhin sicher sein, dass die geschlossenen Kaufverträge bindend sind.


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