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Anti-Adblocker-Maßnahmen verstoßen laut EU-Kommission wohl gegen Datenschutzrichtlinien

Nutzung Internet Werbung

Webseitenbetreiber und Verlage beklagen schon seit längerer Zeit finanzielle Einbußen durch den Einsatz sogenannter Adblocker. Viele Anbieter werbefinanzierter Angebote im Netz sind daher dazu übergegangen Nutzer, die Werbung durch Adblocker ausblenden, von ihren Seiten auszusperren. Diese „Anti-Adblocker-Maßnahmen“ verstoßen aber offenbar gegen EU-Datenschutzrecht.

Adblocker-Nutzung nimmt zu

Viele kostenlose Angebote im Internet werden über Werbebanner monetarisiert. Das Geschäft mit Onlinewerbung ist überaus lukrativ. Daher hat die Zahl der Werbebanner in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Um überhaupt noch von den Nutzern wahrgenommen zu werden, kommen immer auffälligere Anzeigenformate zum Einsatz. Besonders Werbeanzeigen, die sich über die gesamte Webseite legen, sind bei Usern sehr unbeliebt.

Aus diesem Grund kommen immer häufiger sogenannte Adblocker zum Einsatz. Über Browser-Plug-Ins soll so die gesamte Werbung einer Internetseite komplett ausgeblendet werden.

Finanzielle Einbußen in Milliardenhöhe

Für die Betreiber von Webseiten bedeuten Adblocker hohe Einbußen. Weltweit liegt die Verbreitung von Werbeblockern bei etwa 200 Millionen Installationen. Der dadurch verursachte Schaden für die Internet-Branche wird auf beachtliche 20 Milliarden Euro geschätzt. Einige Online-Angebote sehen daher sogar ihre Existenz bedroht – einzelne Seiten wurden bereits eingestellt.

Klage gegen Adblocker erfolglos

Der Axel Springer Verlag hatte in der Vergangenheit bereits versucht gegen den Einsatz von Adblockern gerichtlich vorzugehen. Die Klage wurde jedoch abgewiesen. Das Urteil führte zu einem Strategiewechsel auf Seiten der Internetbranche. Auf dem Onlineauftritt der Boulevardzeitung „Bild“ wird seitdem der Einsatz von Adblockern erkannt und der Zugriff auf die Inhalte für solche Nutzer untersagt. Nur durch Deaktivierung des Plug-Ins oder den Abschluss eines Online-Abos sind die Inhalte wieder verfügbar. Dem Beispiel des Axel Springer Verlags folgen mittlerweile zahlreiche Medienportale.

Verstoß gegen EU-Datenschutzrichtlinie

Diese Anti-Adblock Maßnahmen scheinen womöglich aber gegen EU-Datenschutzrecht zu verstoßen. Um festzustellen, ob ein Seitenbesucher einen Adblocker nutzt, muss mithilfe eines Scripts der Browser des Betroffenen untersucht werden. Laut eines durch den Datenschutzaktivist Alexander Hanff kürzlich via Twitter veröffentlichen Brief wurde nun bekannt, dass die EU-Kommission wohl der Ansicht ist, diese Praxis verstoße gegen die Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikation. Ähnlich wie beim Setzen von Cookies erfolge der Zugriff auf den Browser ohne Einwilligung des Nutzers. Dies stelle laut EU-Gesetz einen unrechtmäßigen Eingriff in die Privatsphäre dar.

Für Webseitenbetreiber und Verlage könnte dies eine weitere Niederlage im Kampf gegen den Einsatz von Adblockern darstellen.


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